Papa am Samstag

Mein erstes Mal – oder: Ihr Frauenarzt, das unbekannte Wesen

30. Juni 2018
Frauenarzt

Es ist es mir ein besonderes Anliegen meine Erfahrungen meiner neuen Vaterolle (für jung ist es mittlerweile, vielleicht schon zu spät) mitzuteilen. Zumindest würde ich heute gerne über mein einschneidendes Erlebnis beim Arzt berichten. Als Mann kennt man die ärztliche Betreuung des feindlichen Geschlecht ja nur aus Film und Fernsehen.

Kreislaufbeschwerden

Nachdem meine holde Frau bei einem Radausflug, nach einer Bergabetappe  (in der nicht anstrengenden Richtung – abwärts) beinahe einen Kreislaufkollaps erlitt, wollten wir auf Nummer sicher gehen bevor wir panisch ins Krankenhaus fuhren. So besorgten wir uns aus dem Drogeriemarkt einen Schwangerschaftsfühler. Naja, eigentlich hatten wir ja schon so einen Doppelpack. Wir schufteten ja bereits auf ein bestimmtes gemeinsames Ziel hin. Nach Frau und Heim fehlte mir ja nur noch der dritte Stempel, damit alle drei Familienmerkmale abgehakt wären (Unser Pelzibub zählte da nur bedingt).

Die Gebrauchsanweisung wurde genau studiert: Benässen, gegen unbeabsichtigter Berührung schützen, warten und Ergebnis ablesen. Gemeinsam bewältigten meine Frau und ich diese Herausforderung. Alleine wollte Shrimpmama dies nicht machen (und ja, wir haben die Aufgaben sinnvoll verteilt). Also warteten wir ein bisschen und das „+“ erschien. Es war also soweit. Nach einer Ewigkeit herumprobieren (was stark an die Substanz ging) zeichnete sich in Monat 2 endlich ein Ergebnis ab. Aber um die Sache sicher zu machen musste natürlich noch ein Experte zu Rate gezogen werden.

Beim Experten

Der erste Besuch beim Frauenarzt. Natürlich hat man als Mann schon so seine Vorstellungen wie eine Frauenarztpraxis auszusehen hat (medial geprägt – wie vorhin erwähnt). Die meisten Dinge waren ja schnell erfüllt. Gebärmuttermodelle, Verhütungsinformationsflyer, ein gebährendes Drahtgestell als Dekoelement und natürlich der sehr futuristisch aussehender Untersuchungsstuhl.

Nach der Kennenlernphase ging es dann ans Eingemachte.

„Bitte machen sie den Oberkörper frei.“, glaubte ich zumindest verstanden zu haben. Als meine Frau dann untenrum entkleidet aus der Umkleidekabine kam war ich ein wenig verdutzt, aber ich nahm meinen Irrtum hin wie ein echter Mann (einfach nicht darüber reden).

Ich finds ja prinzipiell lustig, dass beim Frauenarzt eine Umkleide (bei uns nur ein Vorhang, aber naja) existiert. Die Frau geht rein zieht sich aus und kommt raus. Was das bringen soll ist mir schleierhaft. Vielleicht soll der Schein gewahrt bleiben, dass die Frauen elfenhaft aus ihren Beinkleidern schlüpfen und man dem Gezerre an den viel zu engen Hosen einfach nicht zuschauen will. Damit bleibt die Wahrheit und das Wissen darüber wie man in und aus viel zu engen Jeans schlüpft für immer gewahrt.

Aber zurück zum Thema: Meine Frau saß mittlerweile auf dem Stuhl und wurde wie beim Zahnarzt mittels Fusshebel emporgehoben. Höher als ich ursprünglich gerechnet hätte. Ich bin davon ausgegangen, dass wie in den Filmen der Bauchultraschall starten würde, aber die Untersuchung begann weiter unten. Nagut, es leuchtet mir durchaus ein, dass erst außen alles kontrolliert und für in Ordnung erklärt werden muss. Ich hätte da unten ja was kaputtmachen können. Der Geschickteste bin ich ja bewiesenermaßen nicht. Auf den meinerseits erwarteten Bauchultraschall wartete ich aber vergebens.

Schuss durch die Privatsphäre

Der Frauenarzt zückte stattdessen einen Ultraschalldildo. Das ist keine Mischung zwischen einem Dildo und einer Fledermaus. Lediglich die Form ist ähnlich (nicht die Fledermaus). Diese Herangehensweise war mir neu und ich bewältigte meine Überraschung auf die altbewährte Art (siehe oben). Der Dildomann stocherte ein wenig herum und nach kurzer Suche erschien auf dem Monitor ein klares Bild. Das heißt, es war nicht nur mehr Rauschen mit unerkenntlichen Schemen, sondern ein kleiner, klar erkennbarer Kreis.

OK, soweit so gut. Kreis ist gleich Fruchtblase. Der Bildausschnitt wurde vergrößert und ein Dottersack wurde erkannt. Mein Triumph war vollkommen. Die kleinen Soldaten hatten diese Schlacht also mit Überzeugung gewonnen (Zumindest einer). Dann kam die die Abschlußbemerkung des Arztes.

„Sieht alles ganz gut aus. Zwei von drei Schwangerschaftsmerkmalen sind da. Beim nächsten Besuch haben wir dann Gewissheit.“

Was zum Teufel? Zwei von drei? Was ist die Nummer drei?

Leider blieb die Erklärung offen (siehe Irrtumsbewältigungstrategie).

Waren wir nun schwanger? Den Symptomen nach ja. Kreislaufbeschwerden, Heißhunger und die ein oder andere Unpässlichkeit waren alle vorhanden. Meiner Frau im Gegensatz ging es ausgezeichnet.

Gut zwei Jahre später

Wir sitzen wieder vor in der Ordination. Ich wundere mich gerade noch über das noch immer gebärende Drahtmodell und denke bei mir, dass diese Gebärende unglaubliche Ausdauer beweist. Unser Frauenarzt (naja – ihr wisst schon wie ich das meine) füllt gerade den Mutter-Kind-Pass aus und ich habe Zeit meine Gedanken ein wenig schweifen zu lassen. Aber nur kurz: Denn Shrimpi kauert auf meiner Schoß und fürchtet sich. Wir sind schließlich in einer Gemeinschaftspraxis die auch von unserem Kinderarzt genutzt wird. Und da gibt es immer diese bösen Impfungen.

Als dann Mama hinter einen Vorhang verschwindet erregt das natürlich Shrimpis Neugier und sie macht sich mutig auf nachzusehen, was Mama da macht. Ich sitze gemütlich am Sessel und seh meinen Mädels zu wie sie sich hinterm Vorhang den Platz streitig machen.  Als sich Shrimpmama auf den Sessel setzt und in luftige Höhen gehoben wird, wirds unheimlich – mein Einsatz wurde gefordert.

Shrimpi ist aber schnell wieder beruhigt nachdem sie merkt, dass Mama nicht verletzt wird. Neugierig beobachtet sie den Vorgang, aber das Interesse hält nicht lange an. Dieser komisch flimmernde Schwarz-Weiß Bildschirm ist halt nicht sehr interessant. So muss ich immer wieder zwischen Bildschirm und Shrimpi hin und her schauen.

Ich will ja schließlich 2 Dinge:

  1. Will ich sehen wie der Status bei Shrimp 2.0 ist und
  2. will ich nicht, dass Shrimp® irgendwelches pharmazeutische Zubehör aus den Kästen am Boden verteilt.

Und diese Vorhaben erfordern eine hohe Konzentration meinerseits.

Auf zur Nummer 2

Es glückte letzendlich doch, den Blick auf den Bauchshrimp zu erhaschen und gleichzeitig Shrimpi im Zaum zu halten. Beim zweiten ersten Besuch war die Situation schon weit entspannter. Es war ja schließlich nichts neues mehr und ich kannte die Vorgehensweise mittlerweile schon genau. Der Babysittingfaktor war neu (aber nur in der Umgebung).

So geht es für uns nun in Richtung Zweitshrimp. Mal schauen was da rauskommt, meiner Erfahrung nach wird ja die Charge Nummer 2 durch die schwesterliche Betreuung Vorteile haben

  1. 🙂 schön mal die Sicht eines Mannes gelesen zu haben, du solltest mal zu meiner Gyn gehen…die ist ganz speziell, da haben alle männlichen Wesen noch Angst bekommen …lg

  2. Hihi da hatte ich jetzt einiges zum Schmunzeln. Also mir hat mein Mann beim ersten FA Besuch schon etwas leid getan, er wusste nicht so recht wo er jetzt stehen soll, wann er was sagen soll, wohin er schauen soll…aber beim ertönen des herzschlags des babies war es um ihn geschehen und der raum wurde plötzlich zu einem ort der freude. Und natürlich war er mächtig stolz auf seine soldaten.

    1. 😂 ja, kenn ich. Finde es ja auch lustig dass jeder den Männrn sagt: gut gemacht“, wie wenn sie das alleine geschafft hätten 😄

  3. „aber ich nahm meinen Irrtum hin wie ein echter Mann (einfach nicht darüber reden).“ Love it!

    Und über den Vorhang wundere ich mich übrigens auch immer und immer wieder…!

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