Und plötzlich war es doch ein Kaiserschnitt…

von shrimpmama
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Als ich schwanger war, war ich die klassische Erstlings-Mama. Jede Anschaffung dreimal überlegt, unzählige Testrezessionen zu so ziemlich allen Babyprodukten gelesen und viel mehr angeschafft als nötig. Die Vorfreude auf Shrimpi war ungebremst. Dazu gehörten natürlich auch sämtliche Vorsorgeuntersuchungen und der Geburtsvorbereitungskurs. Das konnten ihr ja bei Papa am Samstag, Geschichten aus den Geburtskanal schon nachlesen. Auch seine Sicht der Dinge findet ihr hier.

Die Schwangerschaft

Immer schon machte ich mir über die Geburt Gedanken und versuchte natürlich das Unplanbare zu planen. Eine schöne natürliche Geburt. Zuerst noch gemeinsam zu Hause einen Großteil der Wehen hinter sich bringen und schließlich pünktlich zur Geburt ins Krankenhaus fahren. Dort noch ein paar der tollen Übungen und Positionen des Kurses vorführen und fertig, quasi. Dann wollte ich das Glück in meinen Händen halten. Selig und innig, das nackte Würmchen auf meiner Brust liegen haben. Denn das und wie einem alle einreden wollen, nur das garantiert eine gute Beziehung von Anfang an.

Naja, soweit so gut. Doch in SSW 31 als ich bei einem Kontrolltermin war, sagte uns der Arzt, dass sich das kleine Shrimp nicht richtig gedreht hatte. Zumindest noch nicht. Das war das erste Mal dass ich an einen Kaiserschnitt dachte. Schrecklich. Zur Beruhigung suchte ich im Internet nach so vielen Infos wie möglich. Ja, grandiose Idee. Das verschaffte mir gleich noch mehr schlaflose Nächte. Schlimm was da zu lesen war. Aber das Schrecklichste: Unmittelbar danach wird einem das Kind nur kurz gezeigt und sofort weg genommen. Und es könnte Stunden dauern bis ich es sehen würde. Dann noch Probleme mit Stillen und so weiter. Bedingt durch die zuverlässigen Schwangerschaftshormone trieb es mir ständig Tränen in die Augen. Klar gab es andere Optionen bei einer Beckenendlage, aber die waren mir persönlich zu riskant.

So verging ein Monat schrecklicher Ungewissheit. Auch die Hebammen des Kurses konnten mir die Angst kaum nehmen. Und dann, beim letzten Frauenarzt Termin die Erlösung. Shrimpi lag richtig herum.
Ausgezeichnet. Natürliche Geburt, wir kommen.

Die Geburt

Und dann war es soweit. Der Termin war gekommen. Jetzt ging es bestimmt bald los. Nur noch kurz warten. Und warten und warten. Was? Was war los?

Die Kleine kam und kam nicht. Also wurde die Geburt am 10 Übertrag eingeleitet. So viel zum ersten Teil meiner „Phantasie“. Anstatt zu Hause mich ruhig auf die Geburt vorzubereiten, steckte mir ab und an wahlweise ein Arzt oder eine Hebamme seine/ ihre Hand in den Geburtskanal. Toll. Wirklich :/

Naja, aber der Rest wenigstens natürlich.

Nicht so ganz. Abgesehen davon, dass ich sobald ich einer dieser Turnübungen mit meiner Hebamme vollzog, sofort einen Kreislaufkollaps erlitt, war alles anstrengender als gedacht. So ging es quasi Tag aus Tag ein. Bis am zweiten Tag eine Ärztin und die Hebamme dazu rieten eine PDA zu machen, denn schließlich wollten sie mich an den Wehentropf anschließen.

Und wieder nix mit natürlich. Weder die Wehen noch das dazugehörige Erlebnis. Aber zu diesem Zeitpunkt nicht anders möglich. Für mich zumindest.

Okay, aber der Rest so natürlich wie noch möglich, oder?
Ein paar Kreislaufkollapse und Akupunkturnadeln später, plötzlich etwas Unruhe. Und zwar nicht bei mir oder dem werdenden Papa. Nein, bei Arzt und Hebamme. Also ganz schlecht. Ein paar bange Minuten später: schlechte Herztöne. Und schwups, wurden meine Beine mit sexy Trombosestrümpfe verssehen. Ein Milchbubi lass mir irgendetwas neben meinen Bett vor und die Hebamme stand mit einem breiten recht künstlichen Lächeln ganz nah an meinem Kopfende.

Okay, das war’s. Weg war jeglicher Gedanke an natürliche Geburt. Aber wie ihr euch denken könnt, verschwendete ich daran keinen Gedanken mehr. Alles für das kleine Lebewesen das gerade schwerwiegende Probleme hatte. Aber nach erschrockenen Nachfragen, sicherten mir alle zu, dass Shrimpi nicht akut gefährdet sei. Sonst ginge alles noch viel schneller. Noch schneller? Kann man sich kaum vorstellen.

Im OP

Am Weg in den Op, bekam ich noch allerlei Stamperl eingeflöst und „wichtige“Dinge erklärt. Davon weiß ich jetzt nicht mehr wirklich was und auch in diesem Moment waren diese Dinge ohnehin Schall und Rauch für mich.

Eine kurze Ablenkung. Ich stellte am rasanten Weg in den OP fest, dass ich das halbe OP Team schon kannte. Irgendwie war das beruhigend. Auch wenn das für nichts ein Garant ist. Aber es half. Dann dauerte es meiner Empfindung nach eine Ewigkeit bis meine Mann zu mir konnte. In Wirklichkeit waren es 10 Minuten. Einstweilen wurde meine PDA vertieft und Tests gemacht. Meine Arme wurden am OP Tisch festgemacht, aber gegen meinen Erwartungen war das nicht schlimm oder komisch. Man bekommt es eigentlich kaum mit. Alle waren in grüner OP Kleidung und Mundschutz, auch mein Mann. Das hatte irgendwie Alienchartakter.

Unterhalb der Brust wurde ein Tuch von ca 50 cm Höhe aufgespannt, damit man sich nicht in den eigenen Bauch sieh. Gut so. Dann war ich auch schon aufgeschnitten. Als sich dann endlich auch der Kinderarzt im Op einfand ging es los. Ich wurde ziemlich stark hin und her gerüttelt. Plötzlich ein starker Ruck nach unten. Ich lag plötzlich mindestens 10 cm weiter südlich am Tisch.

Und dann eines der schönsten Geräusche. Zumindest in dem Moment. Der erste Shrimpbrüller. Der Kinderarzt machte sich aber sofort mit meinem Eigentum aus dem Staub und ich sah nur ein blutiges kleines etwa vorbei huschen. Mein Mann wurde sofort hinterher geschickt. Mir wurde gratuliert und versichert, dass die beiden sofort nach der Routinekontrolle wieder da wären. Dem war auch wirklich so.

Ich kann es gar nicht sagen, aber es waren wirklich nur ein paar Minuten. Das Zeitgefühl verliert man dabei irgendwie. Und ich war ohnehin so verdutzt, dass mir die kurze Wartezeit nicht sehr schwer viel. Und dann kamen sie endlich. Ich bekam den kleinen Shrimp neben meinen Kopf gelegt und mein Mann unterstütze mich beim Halten. Dann wurden von der Narkoseärztin unsere ersten Aufnahmen gemacht und gekuschelt was das Zeug hielt.

Nach 10 Minuten hörte ich von den Ärzten hinterm Tuch. So fertig. Ich frage: „Was?“ Und sie bestätigten mir, dass ich schon genäht bin und nun in den Aufwachraum zur Kontrolle könne. Mein Mann ging mit der Kinderkrankenschwester und unseren Engelchen, das sich mittlerweile beruhigt hatte, in den Kreißsaal.

Ich wurde flux in den Aufwachraum geschoben. Am Weg dorthin konnte ich schon wieder meine Zehen bewegen. Im Wärmebett bekam ich dann leichten Schüttelfrost und meine Schultern waren unglaublich verspannt. Aber das Bett erfüllte schon seinen Zweck. Alle 5 Minuten sah jemand nach mir und ich fühlte mich gut aufgehoben. Es war sogar ein netter Plausch dabei. Die Krankenschwestern riefen mir nach 25 Minuten einen Pfleger der mich kurz darauf in mein Zimmer brachte, damit ich nicht zu lange auf Baby und Mann warten musste.

Ich habe mir das wirklich schlimm vorgestellt. Aber es war wirklich kein Thema. Man ist in diesem Moment so überwältig, erleichtert und glücklich, das man die Wartezeit gut ertragen kann. Ich wusste ja, dass die Kleine bei meinem Mann gut aufgehoben sein würde. Und wie ich so bin, gab ich ihm vorab schon Anweisungen, sollte es doch ein Kaiserschnitt werden, was er zu tun hatte. Überall dabei sein und sich Shrimpi auf die nackte Brust legen zum Kuscheln. Diese Gewissheit hat mir sehr geholfen und ich war wirklich keine Sekunde besorgt oder traurig.

Im Zimmer angelangt, holte die Hebamme auch bald schon meine zwei Herzen und ich kuschelte die ganze Nacht mit Shrimpi um die Wette.

Alles danach

Ja, im Nachhinein war ich etwas traurig das die Geburt so verlaufen ist. Ich hatte auch das Gefühl etwas verpasst zu haben. Aber ich hab es mir nicht ausgesucht, sondern es war notwendig, damit es dem Shrimpi gut geht und somit fiel es mir leicht mich damit abzufinden. Ich kann es ohnehin nicht mehr ändern. Und wie jeder Mutter ist mir die Gesundheit meines Sonnenscheins am aller wichtigsten. Und vor allem in solch einen Moment ist das das Ausschlaggebende um die Situation gut meistern zu können.

Vorurteile

Vorurteil schlechte Bindung: absoluter Schwachsinn.

Stillprobleme: ich bekam die Milch erst am 5 Tag. Aber ob das wirklich was mit dem Kaiserschnitt zu tun hatte kann ich nicht sagen. Dann hatte ich jedenfalls reichlich😜

Mehr Schwierigkeiten nach der Geburt: Mit der Narbe hatte ich auch keine Probleme. Bzw. nicht mehr als andere Muttis nach einer natürlichen Geburt (wenn diese genäht werden mussten). Ja, man muss sich schonen. Aber das sollte man nach jeder Geburt. Aber die Kleine tragen, auch mit Babyschale, war von Anfang an kein Problem. Nur die Spaziergänge mit Pelzibub übernahm großteils Shrimphansi. Aber es dauerte nur zwei Tage bis ich wieder hinter Pelzibub her schlich. Okay, langsamer und nicht so weit, aber das wurde jeden Tag besser.

Also liebe werdende Mamis. Keine Angst wenn es doch ein Kaiserschnitt wird. Bei mir zumindest war es gar nicht schlimm und jetzt mit ein bisschen Abstand kann ich sagen auch ein schönes Erlebnis. Das war eben Shrimpis ganz spezieller Weg in unsere Welt.

 

Weitere Storys zur Geburt könnt ihr bei meiner Bloggerkollegin von „Einer schreit immer“ nachlesen

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10 Kommentare

Christina Gr. 5. Juni 2017 - 14:46

Ein sehr schöner Beitrag! 🙂 Ich habe mich oft darin wieder gefunden. Mein erster Kaiserschnitt erfolgte aus einer Notsituation. Direkt im Kreißsaal und unter Vollnarkose. Also ich mein Baby zum ersten Mal sah, war er schon zwei Stunden alt.
Der zweite Kaiserschnitt war dann mehr oder weniger geplant, weil das Baby nicht natürlich raus wollte. Diesmal mit Kreuzstich, mein Mann konnte dabei sein und als das Baby raus war, bekam ich es nach einem ersten Check auf die Brust, wo es auch bleiben durfte.
Der zweite Kaiserschnitt war natürlich bei weitem schöner. Doch weder beim ersten noch beim zweiten könnte ich irgendwelche Vorurteile bestätigen. Bindung war super, stillen klappte von Anfang an und keiner ist besonders häufig krank oder hatte Start Schwierigkeiten. 🙂
Liebe Grüße
Christina

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shrimpmama 5. Juni 2017 - 20:21

Vielen Dank dass du auch deine Erlebnisse mit uns teilst. Ich habe beim Schreiben auf solche Reaktionen gehofft und finde es sehr interessant von anderen Erfahrungen zu lesen. Danke und liebe Grüße, Ines

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Marion 6. Juni 2017 - 10:47

Sehr schöner Beitrag – ich hatte fast ständig Tränen in den Augen! Die Stillhormone oder die Erinnerung an die (erst) vier Wochen zurückliegende Geburt des eigenen Kindes….. egal! Jede Geburt ist ein ganz besonderes und eigenes Erlebnis, und egal wie – Hauptsache ist doch dann dass unsere Kleinis wohl auf bei uns in den Armen liegen!!

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shrimpmama 6. Juni 2017 - 10:58

Danke☺️ Ja stimmt, das ist Mamas größte Belohnung 😍

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Leni 13. Juni 2017 - 21:02

Ich bin auch eine Kaiserschnittmama wider Willen. Mein Kind lag zuerst quer im Bauch und dann BEL, verstrickt in die Nabelschnur, eine natürliche Geburt war den Ärzten zu heikel. Das Geburtserlebnis war mau gegen die vorangegangene natürliche Geburt – aber die Liebe und die Bindung —> tief, wie bei meinem Sohn. Das Wichtigste war und ist: Hauptsache meine Tochter ist gesund.
Ich hätte niemals die Gesundheit riskieren wollen, nur für dieses Erlebnis. Oder gar weil hinterher ein paar andere Mamis eigenartige Kommentare ablassen (ist alles passiert).
Liebe Grüße, Leni

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lisbeth 13. Juni 2017 - 21:17

Ich hab was ganz ähnliches erlebt: 4 Tage einleiten, 4 Tage Wehen, 4 Tage die unglaublich anstrengend waren. Und dann wurde es doch ein Kaiserschnitt. Und ich kam damit gar nicht klar, denn ich hatte das Gefühl des Versagens in mir. Ich hab darüber auch geschrieben unter http://einerschreitimmer.com/kaiserschnitt-mehr-als-eine-narbe-bleibt-zurueck/
Liebe Grüße Lisbeth

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Kerstin 13. Juni 2017 - 22:16

Kreislaufkollaps als du schon Wehen hattest 🙆🏻🙆🏻🙆🏻 Das stell ich mir arg vor!!! Aber Gott sei Dank ist letztendlich alles gut gegangen und der kleine Shrimpi ist wohl auf!! 😍 Super auch, dass du mit den Vorurteilen aufräumst 😏 Super Beitrag jedenfalls!! lg Kerstin

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Birgit 14. Juni 2017 - 10:35

Liebe Shrimpmama,
wie du schon schreibst: die Gesundheit ist am allerwichtigsten ((()))

Liebe Grüße,

Birgit

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Bettina Apelt 14. Juni 2017 - 11:00

Ein schöner Beitrag. Viele haben Angst vor einem Kaiserschnitt, denen wünsche ich, dass sie auf Deinen Beitrag stoßen. Es gibt wirklcih allzu viele Horrorgeschichten zu Geburten.

Alles Liebe, Bettie

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shrimpmama 14. Juni 2017 - 11:02

Vielen Dank 😊

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