Ein Ammenmärchen – oder: Geschichten aus dem Geburtskanal

von Shrimphansi
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Heute kommt wieder ein Rückblick aus der Schwangerschaftszeit. Wir befinden uns in der 36. Schwangerschaftswoche (oder nach meiner Zählweise der 34. postkoitalen Woche). Meine Frau besuchte bereits einige Wochen einen Schwangerschaftskurs. Ich konnte mich Gottseidank bis dahin aus dieser Angelegenheit raushalten. Doch leider ging das nicht unbegrenzt lange gut. Die Hebamme hatte zwar gute Ansichten (der Mann muss nicht Atemübungen oder Schwangerschaftgymnastik mitmachen), aber ganz und gar konnte ich mich dann doch nicht aus der Affäre raus ziehen.

Der Schwangerschaftskurs:

Ein gemeinsamer drei Stunden Termin war vorgesehen und da musste ich ich dabei sein. Es war nur eine kleine Runde, denn es war nur ein zweites Paar anwesend. Die Hebamme war eine der alten Schule, welche beinahe verurteilte, dass Männer heutzutage bei der Geburt dabei sein ”wollen”. Auch mütterliche Anwandlungen werdender Väter war sie skeptisch gegenüber eingestellt. Meiner Meinung nach ist das okay, denn was können wir denn großartig zur Geburt beitragen, außer den Unmut der werdenden Mutter zu ertragen und möglicherweise alles zurecht zu richten (wenns notwendig ist).

Also eine Warnung vorab, es ist keine gute Idee in den Spital mit einem T-Shirt mit der Aufschrift ”WIR Stillen!” zu kommen. Das wäre ein gefundenes Fressen für die Hebammen. Aber zurück zum Thema.

Der Termin war, genau wie unsere Erde, ”größtenteils harmlos”. Eine Babypuppe wurde aus einer gestrickten Gebärmutter gedrückt (bei der aufgrund der vielen Geburten der Muttermund abgefallen war), die Schwangeren wurden massiert, bei Atemübungen unterstützt und deren Po wurde geschüttelt.

Grundsätzlich war die Hebamme sehr gefasst und schien durch nichts verschreckt werden zu können. Eines scheint aber Hebammen aus der Fassung zu bringen. Bei Geburten scheint die größte Gefahr für Hebammen, fallende Väter zu sein. In den drei Stunden wurden die zwei Werdenden mehrmals davor gewarnt, dass man nicht auf sie achten wird, sondern die Gebährende im Mittelpunkt steht (respektive liegt, sitzt oder im Vierfüßlerstand den Po massiert bekommt).

Die restliche Zeit war dann ein bisschen ein Kampf mit der Müdigkeit, denn drei Stunden auf einer Trainingsmatte am Boden sitzend und einigen sehr offensichtlichen Geburtsvorgangsfakten zu lauschen ist um 22:00 Uhr sehr hart.

Wichtige Infos für Männer:

Ein paar brauchbare Infos gab es aber dann doch noch. Eine gute Information war zum Beispiel, wie man geburtswirksame Wehen erkennt. Denn wenn eine Wehe zwar schmerzhaft ist, aber nur einmal in der Stunde auftritt ist das noch kein Grund in das Krankenhaus zu fahren. Die Mannschaft dort schickt einen dann einfach wieder heim. Das konnten wir auch bei einem Besuch im Spital beobachten. Um 9:00 Uhr wurde die Dame durchgecheckt und mit dem Hinweis kommen Sie um 17:00 Uhr wieder nach Hause geschickt. (Natürlich mit ein paar Sonderkonditionen bei denen man auch früher kommen konnte). Also wenn die Wehen alle 5 Minuten auftreten und eine Minute andauern, dann kann man (je nach Entfernung zum Krankenhaus) lässig fahren.

Apropos fahrlässig: sich auf eine Frau in Schmerzen als Navi zu verlassen ist nicht empfehlenswert. Deswegen lautete eine weitere Empfehlung den Spital bereits vor der Zeit besuchen und die Parkplatz und Notsituationszufahrt (falls es dann doch zu knapp wird) zu checken. Auch den Weg zur Station sollte man als Mann kennen.

Soweit die Theorie. Ich würde gerne den Vater sehen, der bei einer drohenden Niederkunft in dieser Situation die Ruhe bewahrt und die Zeit stoppt. Naja – ohne Frau geht das vielleicht.

Als auch ich dann die Aufforderung bekam meine Ängste vor den Schmerzen aufzuschreiben war ich ein wenig überfordert. Warum? Bekommen wir auch Schmerzen? Am verstörendsten fand ich es, dass mein Kollege wild drauflos schrieb und eine halbe A4 Seite füllte. Das war bis jetzt für mich der stressigste Moment der Schwangerschaft. Nachdem ich eine Frage gefunden hatte, welche nicht allzu blöd klang, konnte ich beruhigt auf die Abfrage warten.

Die Antwort auf meine Frage: „Wie kann man erkennen wenn die Frau im Spital Hilfe benötigt?“, wurde mit der Antwort: „Der Mann kann das nicht. Das können nur Hebammen und Ärzte.“ quittiert. Mich beruhigte das. Ich war also aus dem Schneider.

Das ersehnte Ende:

Aber auch das ging vorbei und ich meisterte den Schwangerschaftskurs mit Bravur (Zumindest meiner Meinung nach). Doch etwas beruhigt fuhren wir spät abends nach Hause und ich war schon fast beim Einschlafen, als meine Frau die Frage aufwarf: „Und. Wie machen wir das wenn du in der Arbeit bist? Das geht sich bestimmt nicht aus dass du rechtzeitig da bist.“ Und schon war es vorbei mit meiner Müdigkeit….aber dafür durfte ich meiner Mutterkugel beim sofortigen Tiefschlaf zusehen. Und das stundenlang.

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