Wie wir durch unsere Augen lernen

von shrimpmama
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Unsere Kinder lernen ständig. Die großen Meilensteine wie greifen, krabbeln, sprechen sind leicht zu sehen. Aber es gibt auch unzählige kleine. Eigentlich lernen unsere Menschlein rund um die Uhr. Aber wie lernen Kinder eigentlich? Einfach so, automatisch? Nein.


Wie wir lernen:

Ganz so einfach ist es nicht. Es gibt drei Wege wie wir lernen. Die klassische Varianten: Mein Mann hat gelernt, wenn ich die Augen verdrehe und ein „tzzz“ von mir zu hören ist, ist es besser er sucht das Weite. Ja richtig, das musste er auch erst lernen. Dieser Selbstschutzmechanismus war ihm nicht angeboren.
Noch eine Möglichkeit wie wir lernen können ist folgende: Wir helfen Mama beim Geschirr spülen und bekommen ein Eis. Ausgezeichnet, Mama helfen = Eis = super. Unser Verhalten wurde belohnt. Also werden wir das öfter so machen. (Vorausgesetzt wir mögen Eis). Aber wir lernen nicht nur durch Belohnung und Bestrafung direkt. Wir, und eine Reihe anderer Säugetiere, lernen auch durch Beobachten.

Kleine Spione:

Neulich waren wir bei den Nachbaren grillen. Ihr Mädel wollte unbedingt noch mehr Schokokuchen. Das konnte ich zwar nachvollziehen, aber ihre Eltern hatten natürlich Recht, dass ein Stück reicht. Naja, Mini sah das nicht so und legte daraufhin richtig los. Da wurde geschrien und gebrüllt. Ja, sogar das klassische am Bodenwerfen war dabei. Krokodilstränen im Überfluss. Ich war damit beschäftig nicht zu lachen, aber unseren Nachbarn war es sichtlich peinlich und schließlich gaben sie nach.
Okay, das kleine Teufeleien hatte also ihre Eltern voll im Griff. Nicht jedoch der kleine Bub der anderen Nachbarn der dieses Schauspiel argwöhnisch beobachtete. Den Abend passierte auch nichts weiter. Aber beim nächsten Kaffeeplausch dafür.
Diesmal war das Objekt der Begierde ein Stück Kirschkuchen. Und wer glaubt ihr zog diesmal alle Register. Richtig, der kleine Nachbarsbub natürlich. Ja. Man könnte sagen ein Trotzanfall. Nette Bezeichnung, aber wir alle wissen wie so etwas abläuft. Nein, nicht nett. Gar nicht, nett.
Er hatte also durch beobachten gelernt, wie er wahrscheinlich zu einem weiteren Stück Kuchen kommen würde. Seine Mama blieb übrigens standhaft. Zu unserem Leidwesen 😉

Gerade Kinder, deren Beobachtungsgabe meist noch besser ist als die von uns Erwachsenen, lernen sehr schnell durch beobachten. Wer von uns kennt es nicht, ein Schimpfwort rausgerutscht, schon wird es im richtigen Alter Tag ein Tag aus nachgeplappert. Und meist auch noch wenn Besuch da ist oder wir mit Mini im Supermarkt steht. Gut gemacht. Gelernt durch Beobachtung.
Aber gerade deshalb ist es so wichtig unseren Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Mir selbst gelingt das bei den „bösen“ Wörtern nicht sonderlich gut. Aber zum Glück gibt es ja jede Menge anderer Bereiche in denen wir unseren Lieblingen ein gutes Vorbild sein können und vielleicht sogar sein müssen.

Warum es wichtig ist ein gutes Vorbild zu sein:

Essen zum Beispiel. Ein gutes Vorbild bei Essen zu sein ist meiner Meinung nach wirklich wichtig und prägt unsere Kinder für das ganze Leben. Mama isst viel Schoki und Papa nimmt oft Burger und Pommes in Schachterln mit? Beide genießen es und freuen sich. Naja, was sollen unsere Kinder anderes lernen als: dieses Essen ist gut und was Besonderes. Fast Food und Schokolade erhalten somit einen besonderen Status im Leben unserer Zwerge und werden dadurch zu einem begehrten Gut.
Das Selbe könnte man natürlich mit allen Lebensmittel machen. Besonderes Obst oder auch ein besonderes Stück Fleisch. Ich kann mich erinnern das Litschis für mich in der Kindheit selten und besonders waren. Und ich freute mich wie eine Schneekönigin wenn ich welche bekam. Hattet ihr auch so etwas?
Ich weiß, es schreibt sich immer leicht. Aber die Umsetzung im Alltag fällt vielen, auch mir, schwer. Wichtig ist, dass wir uns bewusst machen bei so ziemlich allem beobachtet zu werden. Auch wenn wir nicht damit rechnen:) Die Augen unserer Hausspione sind überall. Und nein, ich meine damit nicht die Nachbarn.

Leben wir es unseren Kindern vor, werden sie es verinnerlichen und mit großer Wahrscheinlichkeit nachmachen. Denn sie haben es von uns gelernt. Und wie? Richtig. Durch beobachten.
Jetzt wisst ihr auch, warum wir Psychologen immer den Eltern an allem die Schuld geben:)

Viel Durchhaltevermögen und Achtsamkeit beim Vorleben!

Eure Shrimpmama

 

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1 Kommentar

Dominik 20. August 2017 - 15:41

Danke für diesen schönen Beitrag!

Ich persönlich habe mir beim Lesen zwei Dinge gedacht: Einerseits finde ich dieses Konditionieren (hilf mir, dann bekommst du etwas) irgendwie nicht richtig vor, vor allem, weil man dem Kind ja dabei beibringt, dass jede gute Tat (möge sie auch noch so klein sein) belohnt wird, auch wenn sie eigentlich selbstverständlich sein sollte. Und andererseits ist das, was die Kuchen-erschreienden Kinder hier machten ja auch nichts anderes, nur in die entgegengesetzte Richtung: Sobald man als Kind einen gewissen Schrillton erreicht, holen die Eltern doch den Kuchen.

Und hier ist natürlich die Frage: Wie hätten Sie reagiert, wenn sie allein gewesen wären? Der Umstand, in Gesellschaft das Kind eher früh ruhig zu stellen, weil man sich schämt (obwohl wahrscheinlich viele Gäste Kinder in dieser Verfassung nur zu bekannt sind), ist halt nicht gut. Aber oftmals der einzige Ausweg.

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