Warten auf Baby – oder: Die Geburt aus Vatersicht

von Shrimphansi
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Diese Woche habt ihr bereit das Erlebnis der Geburt aus der Sicht von Shrimpmama lesen können. Wenn präzisere Zeitangaben und harte Fakten eher euer Interesse wecken, könnt ihr hier die letzte Moment aus Vatersicht nachlesen.

Endspurt

Die letzte Woche hatte also geschlagen, der Kleinen gehts an den Kragen (Mmh ein ungewollter Reim – ich lass das aber jetzt so). Das heißt, eigentlich dem All-Inclusive Aufenthalt im Bauch der Mutter. Mittlerweile wurde der Unterschied zwischen der Schwangerschaft meiner Holden und der einer Elefantenstute kaum merkbar (die Dauer nicht der Rüssel). Meine Frau hat mich zwar mehrere Male darauf hingewiesen, dass es Elefantenkuh heißt, da bin ich aber anderer Meinung (eine Kuh trinkt ja auch nicht mit dem Rüssel. Einem Pferd aber würd diesen Blödsinn aber durchaus zutrauen).

Aber zurück zum Thema: Da die Schwangerschaft nun doch länger dauerte als gedacht, meinten die Ärzte es sei an der Zeit die Show abzukürzen und einzuleiten. Das bedeutet, der Reifung der Gebärmutter wird über Hormone nachgeholfen und das Baby kommt dann ziemlich präzise innerhalb von 3 Stunden bis 3 Tagen.

Nachhilfe

Bei der Hormonbehandlung hätte ich mir was ärztlicheres erwartet als das was nun passierte. Der Oberarzt betrat das Spitalszimmer und die Hebamme packte das Medikament aus. Die Packung enthielt einen Schnürsenkel (ohne die Plastikenden, das würde glaube ich ein wenig unangenehm sein). Dieser wurde auch gleich dem Herrn Doktor in die Hand gedrückt und verschwand zwischen den Beinen meiner Frau.

Es stellte sich heraus, dass der weitere Tagesverlauf ziemlich langwierig wurde. Warten, CTG, warten und wieder CTG. Die Wehen blieben jedoch aus. Na vielleicht würde Tag 2 mehr Erfolg bringen. Was dann auch so war. Die Wehen meiner Frau waren jetzt schon regelmäßig und äußerst schmerzhaft.

Wehegbegleiter

Auf den verordneten Spaziergängen konnten wir nur in maximal 10m Etappen durch die Abteilung wandern. Im langsamen Gehtempo ging es so dahin und wenn ein Geländer in greifbarer Nähe war, wurde dies geschnappt und die Wehe wurde durchgewartet (meinerseits, mein Holde war mit den Schmerzen beschäftigt). Für mich war das eher langweilig, da die Strecke locker in einem Zehntel der Zeit geschafft werden konnte (plus Kaffee vom Automaten – aber so macht man sich keine Freunde). Was tut man nicht alles für seine Liebe. Schon bald konnte ich auch in den Genuss der Belastung meiner Frau kommen, denn hin und wieder war besagtes Geländer nicht in Griffnähe. Mein Unterarm musste dann Aushilfe leisten. Was dem Geländer ziemlich egal war (zum Unterschied meiner Unterarme), war der feste Griff der Wehenden. Der Druck war in Ordnung, die Fingernägel fraßen sich jedoch wie eine Horde gieriger Piranhas in meinen Arm.

Überraschung

Nach ein paar Runden wurde dann der Spaziergang aufgegeben und wir begaben uns wieder in den Kreissaal, wo es noch bis zum späten Nachmittag dauern sollte. Leider traten unterwegs leichte Komplikationen auf was einen Kaiserschnitt notwendig machte (In coolem ärztlich: ”Sectio”, eigentlich Sectio caesarea, aber da wären ja wieder am Anfang).

Also Frau aufs Krankenbett gehievt und abtransportiert. Ich war allein, naja beinahe, denn die Kinderkrankenschwester nahm mich in Ihre Obhut. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum OP. In der Hygieneschleuse legte ich mein Alltagsgewand ab und ein Ganzkörperkondom inklusive Haube und Mundschutz (schaut bei Vollbartträgern wirklich lustig aus) an.

Die Schwester organisierte mir noch schnell einen Stuhl, setzte mich in einen leeren Spitalsgang und verließ mich mit den Worten: ”Ich hole sie, wenn die Operation beginnt”. Danach verschwand sie am Ende des Ganges. Der Gang endete in einen anderen, quer verlaufenden Gang. Praktischerweise befand sich in dieser T-Kreuzung eine Uhr (damit mir beim Warten nicht langweilig wurde).

Ein kahler Spitalsgang (im sterilen Reinraumbereich) ohne interessanten Dingen zum Anschauen. Nur ein Blickobjekt. Die Uhr war eine der Type ohne Sekundenzeiger und der Minutenzeiger war keiner der alten Schule. Damit meine ich Zeiger, welche langsam vorwärtsschleichen und nicht nach dem Ende einer Minute, bildgewaltig auf die neue Position springen. Bei dieser Art ändert sich die Zeit nur wenn man längere Zeit wegsieht. Da das einzige Objekt am Gang die Uhr war, blieb die Zeit einfach stehen.

Hin und wieder wurde ich aus der Konzentration gerissen, da der Quergang durchaus von Doktoren, Schwestern und OP Gehilfen genutzt wurde. 25 Minuten saß ich bereits im Gang als die Zeit endlich gekommen war. Ich wurde dann in den OP ans Kopfende meiner halb narkotisierten Frau gebracht. So konnte ich ihr (beistehen wäre ein wenig übertrieben, also nennen wir es:) Gesellschaft leisten. Womit wir Beide nicht gerechnet haben ist die Wildheit der Operation, denn meine Frau rutschte plötzlich zirka 10cm nach hinten und wurde wild herumgerüttelt. Nach ein paar Augenblicken wildem Gerüttelt hörten wir das erste mal die Stimme. Geschrei trifft es natürlich mehr.

Erste Stunden nach der Geburt

Die Kleine war also mit Gewalt ins Leben gerufen worden (fast wie bei Conan, nur unter kontrollierteren Umständen). Ich konnte noch einen kurzen Blick auf das blutverschmierte Etwas werfen als es aus den OP getragen wurde. Die Krankenschwester fragte mich worauf ich noch warten würde und flux folgte ich der Spur und kam noch rechtzeitig zur Erstreinigung. Es wurden kurze Checks der Kinderärztin durchgeführt, ob der kleine Wurm die brutale Aktion gut überstanden hatte. Die Nabelschnur klemmte man noch mit einer Frischhalteklammer ab (ähnlich der Plastikklammern, welche es zum Verschließen von Lebensmittelbeuteln gibt) und dann der Klammer entlang mittels Skalpell eingekürzt.

Alles war in Ordnung. Also wurde alles sogfältig eingepackt und es ging zurück in den OP, damit auch die Mutter etwas von ihrem Spross mitbekam. Als es dann an der Zeit war den Sack wieder endgültig zuzumachen verließen wir (Kindekrankenschwester und ich) den OP, während die aufgeschnitten Mutter wieder verschlossen wurde. Mit meinem Baby im Arm ging es an das Ende der Abteilung, wo ich mein Kind der Hebamme übergeben musste und ich musste mich wieder Entreinigen. Wieder im eigenen Gewand suchte ich wieder den Kreißsaal auf.

Gewohnte Umgebung

Die Hebamme beschäftigte sich mit der Vermessung des Kindes. Länge, Gewicht und Kopfumfang. Danach verabreichte unsere Helferin dem kleinen Menschlein noch einen Vitamincocktail und führte die erste Waschung durch. Der Kleinen gefiel das überhaupt nicht. Nachdem sie getrocknet war, wurden noch mehrere Handtuchschichten drumrum gewickelt. Die Möglichkeit für die Entstehung von Wärmebrücken konnte so minimiert werden. Nach der professionellen Wickelung wurde mir das Paket (mit dem Hinweis, dass mein Frau in Kürze kommt) in die Hand gedrückt. Ich sitze also mit einem 20 Minuten alten Kind auf einen ziemlich ungemütlichen Sessel. Vorsichtiges Handeln war angesagt, denn ich habe ja schon etliche Warnhinweise vor dem Not-Aus Schalter gehört. In der Fachsprache sagt man auch Fontanelle dazu. Oder sind es gar Fontanellen? Lieber einfach nich daran denken.

Es gibt Wickel

Die fontanelle Thematik war sowieso hinten angestellt, da sich ein höchst dringenderes Problem auftat. Auf eine mir unerklärliche Weise schälte sich die Kleine mit kleinsten Bewegungen langsam aus den Tüchern. Ich hatte ja schon sämtliche Vorkehrungen getroffen und bewegte mich nur das absolute Minimum. Ich merkte, dass ich meine Sache ganz gut machte, da sich erste Verspannungen breit machten und eine Bewegung sowieso schon schmerzhaft war. Schmerzhaft ist vielleicht übertrieben, aber ich merkte es. Schicht um Schicht fielen die Tücher auf die Seite und ich hatte meine große Not diese so gut es ging wieder in eine halbwegs ordentliche Lage zurück zu bugsieren. Irgendwann merkte ich, dass eine Stunde nach der Geburt vergangen war.

Knappe zwei Stunden nach der Geburt war auch die Mutter bereits versorgt und wurde ins Zimmer gebracht. Ich erhielt grünes Licht den Kreißsaal zu verlassen und eine Familienzusammenführung zu veranlassen. Ich konnte erkennen wie die Operation und die vorangegangen Stunden meiner Frau zugesetzt hatten. Als ich ihr jedoch ihr Kind in die Arme legte erhellte Ssich ihr Gemüt und begann zu strahlen.

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3 Kommentare

Judith 20. Juni 2017 - 12:44

Sehr erfrischend so aus Vatersicht, muß ich gestehen 😉

Reply
Birgit 20. Juni 2017 - 21:41

Hahahahaha endlich verstehe ich was in den Männern so vorgeht 😀

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Anja 21. Juni 2017 - 10:18

Der Shrimps-Papa….wirklich erheiternd -genau das richtige um ein bisschen loszulassen 🌸 Freu mich mehr von ihm zu lesen!

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