Mamakram

Ich habe die Diskriminierung satt! Väter haben auch Rechte

30. April 2018

Ich persönlich war nie die große Emanze. Gleiches Recht für alle ist mir zwar wichtig, aber ich persönlich finde das ist nicht über vorgeschriebene Frauenquoten oder gar dieses aufgesetzte gendern der Sprache erreichbar. Wenn zum Beispiel wer schreibt: „Liebe Leser“ fühle ich mich als Frau genauso angesprochen. Ich verstehe diese Aufregungen darum nicht. Das hat zumindest für mich nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Aber was mir zwar schon immer aufgefallen ist, aber umso mehr seit wir ein Kind haben, die Diskriminierung der Männer. Insbesondere der Väter. Und das nervt mich gewaltig.

Diskriminierung und ich

Ich persönlich habe noch kaum Diskriminierung erfahren. Das mag vielleicht auch an meinem Job im Sozial- und Humanbereich liegen. Lediglich auf unseren Flitterwochen auf den Malediven hat es mich gewaltig gestört dass eigentlich nur mein Mann direkt vom Personal angesprochen wurde und er immer alles zum Unterschreiben bekam.

Auch finde ich es sehr vorurteilsbehaftet, dass wenn wir in einem Restaurant ein Soda und ein Bier bestellen immer mein Mann das Bier automatisch hingestellt bekommt. Auch wenn ich es bestellt habe. Sehr komisch, aber irgendwie belustigend. Ja, ich weiß es gibt Frauendiskrimination, täglich und in allen Ländern, aber zumindest hierzulande werden meiner Meinung nach Väter auch diskriminiert. Und da wird so gut wie nie gestreikt, geklagt oder gejammert.

Karenz

Nur langsam setzt sich auch die Väterkarenz durch. Auf staatlicher Ebene wurde der Papamonat eingeführt, jedoch einstweilen nur für Beamte und die Elterngeldmodelle für beide Elternteile ermöglicht. Tja, nur ist das zumindest in der Privatwirtschaft nach wie vor nicht gern gesehen. Auch die Elternteilzeit ist für Männer hierzulande eher unüblich und in vielen Formen nicht leicht durchzusetzen.

Wir haben uns die Karenz auch geteilt. Shrimphansi hat das Glück das es ihm möglich war. Vom Familienministerium wird es immer sehr stark beworben. Allerdings muss ich sagen, dass es nicht selbstverständlich ist sich das leisten zu können. Obwohl wir Monate davor angesucht und alle Unterlagen eingereicht hatten mussten wir bei jeden Wechsel (bei uns waren es zwei Wechsel) mindestens drei Monate auf das Kinderbetreungsgeld warten. Das heißt, man muss es sich leisten können einige Monate nur ein Einkommen zu haben.

Also so richtig Alltag ist Väterkarenz auf keinen Fall noch.

Wickeln

Das Thema birgt ja oft Konfliktpotenzial. Wie das zwischen Mama und Papa aufgeteilt ist will ich jetzt gar nicht genauer erläutern. Sondern eher die Möglichkeit für Väter in der Öffentlichkeit ihre Kinder zu wickeln. Diese Möglichkeiten sind nämlich ein rares Gut.

 

Ab und an gibt es eigene Wickelräume oder die Behindertentoilette beherbergt einen Wickeltisch. Eigentlich gute Lösungen wären sie nicht so selten. in 85% der Fälle sind die Wickelgelengeheiten, wenn es welche gibt, auf der Damentoilette untergebracht. In Restaurants ist das ja noch irgendwie vertretbar, aber in öffentlichen Gebäuden? Nein, das ist nicht in Ordnung!

Letztes Jahr hatte ich einen Autounfall und musste ins Krankenhaus zum Durchchecken. Natürlich nahm das einiges an Zeit in Anspruch. Daher musste Shrimphansi Shrimpi wickeln gehen. Ihm blieb nichts anderes übrig als auf die Damentoilette zu gehen um dort zu wickeln, wo ihm gleich auch noch schiefe Blicke entgegen kamen.

Eine unglaubliche Frechheit so etwas. Das gibt es tausende Gesetzte und Vorschriften, aber dass gerade in einem Krankenhaus eine Wickelgelegenheit zur Verfügung steht die Frauen und Männer nutzen können, wird dem Zufall und Wohlwollen der Architekten überlassen?!

Gesellschaft generell

Ja unsere Gesellschaft hat so einige Fehler. Aber auch viel Gutes. Ich habe das Gefühl, dass Kinder und alles was mit ihnen zu tun hat in unserer Gesellschaft einfach immer noch den Müttern zugeschrieben wird. Angefangen von Erziehung über die Betreuung bis hin zu Versorgung und Einkauf. Meist wird auch nur Erfahrungen und Sichtweisen von Müttern dargestellt. Väter, die sich informieren wollen, haben aber eventuell andere Anliegen und Probleme als Mütter. Da bleibt Väter meist nur der Austausch mit Freunden.

Väter müssen in unserer Gesellschaft oft noch mit schiefen Blicken und Unverständnis von Mitmenschen „kämpfen“ wenn sie am Heranwachsen ihrer Kinder teilhaben. Klar, oft sind es keine großen Anfeindungen, aber warum ist es immer noch nicht alltäglich? Warum kommen überhaupt blöde Kommentare oder warum sind gar Rechtfertigungen nötig?

Von Vätern in Sorgerechtsstreiterein will ich gar nicht erst anfangen. Ich habe in meiner Arbeit viele schreckliche Geschichten erlebt und die Auswirkungen an den Kindern und Vätern gesehen. Schreckliche Dramen die sich da oft abspielen, mit verzweifelten Vätern.

Der vernünftige Mensch?

Wie bei allen Benachteiligungen kann ich so eine Ignoranz und Einmischung überhaupt nicht verstehen. Ja, es ist ja okay, aber warum kämpft man als erwachsener Mensch nicht dagegen an wenn man Vorurteile hat? Das kann ja sein und ist durchaus menschlich, doch das heißt noch lange nicht, dass wir als denkende handelnde Menschen unseren Vorurteilen ausgeliefert sind. Wir haben immer die Wahlfreiheit, gerade was unsere Gedanken betrifft. Wir dürfen nur nicht zu faul sein um uns selbst zu hinterfragen.

Wie seht ihr das? Habt ihr auch solche Beobachtungen oder Erfahrungen gemacht?

Eure Shrimpmama

Teile diesen Beitrag:
  1. Danke, danke, danke für diesen so überfälligen Beitrag!!! Schon lange bevor ich selbst ein Kind hatte, war ich immer wieder schockiert, wie wenig Väter in ihrer Rolle ernst genommen werden. Mit welcher Unverschämtheit Außendstehende sie als Wochenendentertainer deklassieren. Als würde ein Vater keine andere Rolle im Leben eines Kindes spielen. Er ist nur dafür da nach Feierabend mit dem Kind rumzualbern. Wenn es ein vorbildlicher Vater ist, dann beaufsichtigt er das Kind auch mal kurz, während die Mutter duscht. Das ein Vater tröstet, füttert, vorliest, zuhört, kuschelt, spielt, berät, sich sorgt, aufpasst, beim Anziehen hilft usw. fällt dabei vollkommen unter den Tisch. Seitdem wir ein Kind haben, fällt mir immer mehr auf, dass die Menschen nicht einfach von diesem unmöglichen Väterbild ausgehen, weil sie es nicht anders kennen (in der Regel arbeitet ja der Vater (mehr) als die Mutter). Nein, ich habe oft erlebt, dass sie auch der Meinung sind, dass Väter gar nicht mehr KÖNNEN.
    Ein Beispiel, das ich selbst erlebt habe:
    Wer hat nicht schon davon gehört, dass Väter Berufe haben, in denen sie manchmal für mehrere Tage/Wochen auf Dienstreise müssen? Es kommt auch häufig vor, dass Väter auf Junggesellenabschiede im Ausland gehen, ein Trip mit Freunden zum Klettern/Skifahren oder ähnliches machen. In meinem Umfeld gibt es sehr viele von ihnen. Wenn die Mütter von der bevorstehenden Reise der Väter erzählen, wird in etwa so reagiert: „Ach schon wieder. Sag mal wann genau, dann treffen wir uns mit den Kids wieder an diesem Abenteuerspielplatz.“
    Als mein Sohn 8 Monate alt war, habe ich mein jährliches Mädelswochenende an der Nordsee geplant. Wie immer nur wir drei Frauen, Strand, Wind und Ruhe, Nägel lackieren, Essen gehen und quatschen. Folgende Reaktionen (ausschließlich von Frauen und Müttern) habe ich erhalten:
    • am häufigsten: Und wo bleibt dein Sohn? (Den lass ich mich 20€ und der Nummer vom Pizzadienst zu Hause. Ist doch klar.)
    • auch sehr häufig: Schafft dein Mann das denn? (Das zu tun, was er sowieso jeden Tag macht?)
    • oder auch: Weiß dein Mann denn, wie er sich um DEINEN Sohn kümmern muss? (Ja er weiß, wie er sich um UNSEREN Sohn kümmern muss. Macht er ja jeden Tag mit mir gemeinsam.)
    • Schafft dein Sohn denn schon ein ganzes Wochenende bei deinen Eltern? (Hä, was haben denn meine Eltern damit zu tun?)
    Alle Reaktionen haben eins gemeinsam. Die Leute gehen davon aus, dass sich mein Mann, der Vater meines Sohnes, nicht ausreichend um ihn kümmern kann. Unverschämtheit!!!
    Die schlimmste Reaktion war aber die einer Freundin: „Wie kannst du nur deinen Sohn ALLEIN lassen?“ „Er ist nicht allein. Sein Vater ist ja da.“ „Das habe ich schon verstanden. Aber dein Sohn wird traumatisiert sein, wenn du ihn ALLEIN lässt!“
    Moment mal! Was bitte wird meinem Mann hier unterstellt? Mir ist schon klar, dass sie meint, das Trauma meines Sohnes entstehe, weil ich ihn verlasse. Aber man muss hier mal die Perspektive wechseln. Mein Sohn hat ein Wochenende mit seinem Papa ganz allein. Den muss er mal nicht mit mir oder der Arbeit teilen. Mein Mann und ich sind Vater und Mutter. Wir kümmern uns zu gleichen Teilen um unseren Sohn. Wir übernehmen dieselben Aufgaben. Warum soll es kein Problem für meinen Sohn sein, wenn sein Vater ein Wochenende weg ist, aber wenn ich gehe folgt ein Trauma? Wieso wird davon ausgegangen, dass mein Mann, der Vater, weniger wichtig für meinen Sohn ist? Wieso wird davon ausgegangen, dass ein Kind generell vom Vater schlechter versorgt wird als von der Mutter?
    Warum ist es kein Problem, dass ein Pilot und Vater bei Langstreckenflügen ein paar Tage nicht zu Hause ist? Ganz logisch, die Mutter ist ja da. Warum aber ist es ein Problem, wenn eine Pilotin und Mutter bei Langstreckenflügen ein paar Tage nicht zu Hause ist? Ja, wer kümmert sich denn dann um das Kind? Hier wird Vätern die Fähigkeit aberkannt, sich anständig um ihre Kinder zu kümmern. Diese Diskriminierung muss, wie jede andere auch, endlich enden!
    Der Kommentar ist etwas lang geworden, aber es macht mich einfach wütend, wenn Vätern aberkannt wird, wie wichtig, wertvoll und fähig sie in ihrer Rolle sind – nämlich ganz genauso wie Mütter!

  2. Vielen Dank für diesen Beitrag!

    Väterkarenz ist leider tatsächlich immer noch eine Seltenheit. Der Papamonat wurde zwar mittlerweile für alle möglich gemacht. Mit dem fahlen Beigeschmack, dass Papa die EUR 700,00 im Falle einer weiteren Karenz wieder zurückzahlen muss.

    Das Thema mit den fehlenden Wickelmöglichkeiten für Väter finde ich auch echt traurig. Wenn es irgendwo auf dem Herren WC einen Wickelplatz gibt, freue ich mich sehr darüber. Gleichzeitig bin ich dann schon wieder angfressen, dass das überhaupt eine Sache ist, über die man sich extra freuen muss. :/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: