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Rechtshänder? Linkshänder? Was, wann, wie?

19. Februar 2018

Die Händigkeit von und Menschen ist so eine Sache. Viele sind Rechtshänder, einige Linkshänder (etwa 10%) und wenige Ambidexter. Es gibt viele Mythen und Vorurteile. Und das für alle Händigkeiten. Darum habe ich mich mal durch zahlreiche Studien gewälzt und die dazugehörige Literatur genauer beäugt. Folgendes hab ich für mich, Shrimpi und alle anderen Interessierten herausgefunden.

Um was geht es?

Die meisten Menschen bevorzugen die rechte  Hand. Aber es gibt auch Menschen die die linke Hand bevorzugen oder gar beide Hände gleichermaßen einsetzten. Diese nennt man Ambidexter. Leider gibt es immer noch viele Mythen und die neueren Studien verbreiten sich nur langsam. Ist es schlimm, wenn mein Kind Linkshänder ist oder ist es nicht sogar gut, wenn mein Kind ein Ambidexter ist? Dann kann es wenigsten alles mit beiden Händen.

Es zeigte sich bei meinen Recherchen, dass nicht immer alles so ist wie wir glauben oder vielleicht sogar doch so ist wie wir glauben. Je nach persönlichen Standpunkt.

Wann entwickelt sich die Händigkeit?

Früher ging man davon aus, dass sich die Händiget im zweiten Lebensjahr entwickelt. Doch wie es so oft ist, wurden die Messinstrumente in den letzten hundert Jahren, also seit Beginn der Händigkeitsforschung, viel genauer und sensibler. Heute geht man davon aus, dass schon Embryos im Mutterleib eine Hand bevorzugen. Natürlich ist das nicht so deutlich für uns alle zu erkennen.

Aber richtig sichtbar wir es bei den meisten Shrimpis so zwischen den achten und neunten Lebensmonat. Ungefähr 80% der Kinder bevorzugen in diesem Alter bereits eindeutig eine Hand. Zuerst zum Halten und erst später, mit vierzehn bis fünfzehn Monaten, auch für Tätigkeiten.

Auch werden andere Definitionen verwendet. Ist die bevorzugte Hand auch immer die bevorzugte Körperseite generell? Nein. Nur weil ich die rechte Hand bevorzuge gilt das nicht für das rechte Auge oder Ohr, wohl aber häufig für den rechten Fuß. Natürlich wird im Alltag trotzdem von Rechtshänder im Gebrauch von Gegenständen oft die Organe auf er rechten Körperseite häufiger benutzt.

Denkt zum Beispiel ans Telefonieren. Durch meine bevorzugte Verwendung der rechten Hand halte ich das Handy wesentlich öfter ans rechte Ohr. Außer ich mache gerade gefühlte tausend Sachen gleichzeitig, dann halte ich es ans linke Ohr um die rechte Hand frei zu haben.

Wie passiert das überhaupt?

Darüber streiten sich noch immer die Geister. Ein genetischer Anteil ist nicht abzustreiten. Aber wie genau oder gar welches Gen ist noch immer nicht eindeutig beforscht.

Zumindest weiß man, dass es schon seit Menschenbeginn so ist, dass es mehr Rechtshänder statt Linkshänder gibt. Warum kann man jedoch noch nicht sagen.

Was man allerdings bereits herausgefunden hat ist, dass Händigkeit nicht unbedingt eine stabile Eigenschaft ist. Zumindest im Kindesalter. Rechtshändigkeit ist weitestgehend stabil. Nicht-Rechthändigkeit allerdings, wie die Bezeichnung schon sagt, nicht.

Viele Kinder wechseln im Laufe der Vorschulzeit (mit drei bis vier Jahren), ja sogar auch noch in der Schulzeit (vorallem im ersten Schuljahr) noch zur Rechtshändigkeit. Dabei lässt sich der Einfluss der Schule nicht abstreiten. In der Schule müssen viele Papier-Bleistift Aufgaben bewältigt werden. Dafür ist es für viele Kinder einfacher nur noch eine Hand statt beide zu benutzen. Der Wechsel betrifft nämlich meist Ambidexter, aber natürlich auch Linkshänder. Ich nehme an durch die Vorbildfunktion der meist rechtshändigen Lehrer und Schulkameraden, aber auch generell durch die rechtshändige Umwelt.

Natürlich gibt es auch sogenannte pathologische Linkshänder. Das sind Personen die sozusagen krankheitsbedingte Linkshänder sind, obwohl sie zur Rechtshändigkeit tendieren würden. Entweder durch kognitive Beeinträchtigungen infolge cerebraler Schädigung oder anderwertige Traumata.

Zu erwähnen ist, das es natürlich auch pathologische Rechtshänder gibt. Diese sind aber naturgemäß sehr selten, da es ja viel weniger Linkshänder gibt.

Na jedenfalls kam es durch diese ganze Pathologiesache zu den heutigen oft noch bestehenden Vorurteilen gegenüber Linkshänder. Vorurteile wie, Linkshänder hätten kognitive Schwächen, sind sprachlich und motorisch schlechter, konnten bereits in unzähligen Studien widerlegt werden und sind somit nicht haltbar.

Kinder die eine Hand bevorzugen, egal ob rechts oder links, unterscheiden sich in Grob- und Feinmotorik nicht. Also sie können gleich gut Ball werfen oder Schreiben. Auch sprachlich bestehen keinerlei Unterschiede.

Es gibt jedoch auch Nachteile

Lediglich Kinder die keine Hand bevorzugen schneiden schlechter in feinmotorischen Aufgaben ab. Es wird vermutet, dass dies durch die geringere Übung mit einer speziellen Hand der Fall ist und so beide Hände gleich gut oder schlecht sind, keine aber besonders gut.

Schlechtere Ergebnisse in Leistungstests zeigen sich aber auch bei Kindern, deren Händigkeit geändert wurde. Sei es Unfallbedingt oder durch Vorurteile in der Umwelt. Diese Kinder müssen dann mehr kognitive Leistung aufwenden um mit der ursprünglich nicht bevorzugten Hand alles zu erlernen. Da dies meist im Schulalter passiert, können diese Kinder meist den schulischen Aufgaben weniger Aufmerksamkeit schenken, da sie sich ja stark auf die Handmotorik konzentrieren müssen.

Hier zeigt sich wie wichtig es ist Kindern keine Händigkeit aufzuzwingen. Als Angst oder Unwissenheit können dadurch Probleme entstehen, wo ursprünglich gar keine Probleme waren.

Aber warum die Angst und Vorurteile?

Ja, in kognitiv schwächeren Gruppen sind Linkshänder überrepräsentiert. Das heißt, in Sonderschulformen findet man häufiger Linkshänder als in Regelschulen. Diese Häufigkeit ist jedoch nicht auf die Linkshändigkeit per se zurück zuführen. Der Anteil pathologischer Linkshänder ist in diesen Klassen einfach höher.

Daher wurde oder leider wird auch oft noch angenommen, dass alle Linkshänder pathologische Linkshänder seien. Dies ist aber keineswegs der Fall, um es nochmals deutlich zu machen!

In diesem Sinne. Alle Kinder sind gut so wie sie sind. Und wenn wir sie zwingen sich gegen ihre Natur zu ändern können erst richte Probleme entstehen. Lernen, Förderung und Unterstützung sind wichtig und unumgänglich. Jedoch auf richtigen Fakten und wissenschaftlichen Begründungen fußend und nicht auf veralteten Vorurteilen basierend.

Eure Shrimpmama

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