Papa am Samstag

Geschmackstraining – oder: Wer ginge extra um Oliven?

23. September 2017

Kürzlich bin ich über einen Artikel gestolpert, bei dem es darum geht wie man grausliches Essen mit der Zeit mögen kann. Falls das funktioniert, kann das ziemlich nützlich sein. Es muss nicht mehr auf Vielfalt verzichtet werden und man kann Einladungen bei dem es nur Kohlsprossen mit Brokkoli gibt leichter ertragen.  Frei nach meinem letzten Artikel sollte auch das ausprobiert werden, und vielleicht kann man daraus auch lernen, wie man durch Geschmackstraining Kindern neue (meist gesunde) Lebensmittel näher bringt.

 Mundfeind Nr. 1

Um ein sinnvolles Ergebnis zu erzielen musste ich mir erst überlegen, welches Nahrungsmittel mir am wenigsten schmeckt. Zusätzlich ist wäre es nicht schlecht wenn es eine Zutat ist, über welche man öfters stolpert und die dann meist am Tellerrand (oder in diesem Fall auch in der Pizzaschachtel) landet.

Ich konnte mir nichts ekelhafteres als Oliven vorstellen. Ich probierte bis jetzt ca. jährlich die eine oder andere Olive um zu sehen ob irgendwie ein Wunder geschehen ist. Das war bis jetzt nicht so. Ein beherzter Biss und der intensive Olivengeschmack durchflutet den Mund. Für meine Geschmacksnerven ist das eine Ausnahmesituation und es wird sofort die Geschmacksalarmstufe grün gestartet (Beim Geschmack ist das naturgemäß umgekehrt – Darum ist der Ausdruck ins Gras beißen auch negativ behaftet). Mein Wahrnehmungssystem beschränkt sich an diesem Zeitpunkt auf die Bewältigung dieses fiesen Geschmacks.

Bei Einladungen wo man nicht als haglich (heikel) gelten will, wird die Bewahrung der Contenance zur Herausforderung. Aus diesen Gründen war für mich binnen kürzester Zeit klar, dass mein Wahl auf diese garstigen Oliven fällt (obwohl mir das gar nicht gefiel).

(o)live and let die

Und wie wird’s nun gemacht? Im Prinzip sehr einfach. Die Durchführung gestaltet sich halt eher als hart (aber was einen nicht umbringt…). Man muss sich einfach den Oliven ergeben. Das bedeutete für mich jeden Tag ein paar Oliven als Abendsnack einwerfen. Da wir aber keine diese hinterhältigen Früchte zuhause hatten musste diese erst besorgt werden.

Da mir der Unterschied bei der Farbe nicht geläufig war habe ich einfach ein Glas grüner und ein Glas schwarzer Oliven gekauft. Die schwarzen sollen ja intensiver schmecken. Mir wäre das aber bis dato nicht aufgefallen.

Dem Experiment stand also nichts mehr im Weg. Also mal sehen, ob man sich sich an ekelhaft gewöhnen kann und gegebenenfalls eine Leidenschaft dafür entwickeln kann.

Der Anfang

Daheim angekommen wurde das erste Glas der schwarzen Variante geöffnet. Drei Oliven wanderten nacheinander in mich. Das war kein angenehmes Gefühl und bis zum nun verdienten Abendessen war mein Gemütszustand fraglich.

Der zweite Abend verlief nicht ganz so wie geplant. Ich hatte ganz vergessen diese Geschmacksbomben (Bombe hier im klassisch negativen Sinn) vor dem Abendessen zu vernichten. Das bedeutete, dass der angenehme Restpizzageschmack den Abend über leider nicht andauern würde.

Eines war nun klar: Die Gewöhnungsphase dauert länger als einen Tag. Aber ich bildete mir zumindest ein, dass der Geschmack nicht mehr ganz so verstörend war. Er war zwar immer noch verstören, aber eben nicht mehr ganz so sehr (das konnte aber auch nur Einbildung sein). Ein leicht verzweifelte Gefühl setzte ein.

Die nächsten Tage ging es ein wenig besser. Die Oliven waren langsam erträglicher und auch der (ver)störende Nachgeschmack verminderte sich laufend. Gut waren die aber noch immer nicht.

Die zweite Woche

Anfang der zweiten Woche war ich nicht mehr mit den Oliven auf Kriegsfuß. Ich konnte nun auch langsam den echten Geschmack der Oliven erkennen. Bis jetzt waren die Geschmacksnerven einfach überlastet und waren mit dem läuten der Alarmglocken beschäftigt. Nun war es für mich möglich die einzelnen Geschmacksnoten langsam zu erkennen.

Am Ende der zweiten Woche naschte ich neben den obligaten zwei Stück noch vier weitere. Nicht, dass diese Kugeln mir mittlerweile schmecken, aber ich kann sie mittlerweile recht ok leiden. Der salzige Geschmack ist noch immer nicht so mein Ding. Zumindest weiß ich nun, dass es hier salzig zugeht.

Zugabe & Ergebnis

Am Ende der zweiten Woche ist mir aufgefallen, dass ich lediglich die schwarzen Oliven gegessen habe. Also musste noch ein Grüne daran glauben. Zugegeben ich fühlte mich an die Anfangstage zurückversetzt (aber nur kurz). Der angenehme Nachgeschmack setzte nach dem ersten Gaumenschreck sofort ein.

Ich kann also nach diesen zwei Wochen sagen, dass man sich wirklich an unschmackhafte Lebensmittel gewöhnen kann. Ich habe in meinem Test die harte Variante verwendet. Angeblich funktioniert das aber auch wenn man den unleidlichen Geschmack mit einem gewohnten guten Geschmack vermischt. Besonders für unsere Shrimps wäre das eine angenehmere Vorgehensweise.

Weiter konnte ich nachlesen, dass es notwendig ist Kinder ca. 15x einem neuen Geschmack auszusetzen, bis diese den neuen Geschmack akzeptieren. Die meisten Eltern gehen demnach schon beim fünften mal auf. Also auch hier zahlt sich Ausdauer aus.

Habt ihr auch schonmal ein ähnliches Experiment oder verwandte Erfahrungen gemacht?

Leibe Grüße,
euer Shrimphansi

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  1. Oh Gott Oliven! 😀 Ich kann deinen Leidensweg nur zu gut verstehen. Habe selber lange gekämpft, bis ich Oliven irgendwie runter gebracht habe. Bin seit der Kindheit ein großer Griechenland-Fan. Vor allem die griechische Küche mag ich sehr. Da wurde es mir irgendwann zu blöd, ständig die Oliven auslassen zu müssen. 😀 Mittlerweile schmecken sie mir auch einigermaßen ok. Eine gewisse Überwindung spielt trotzdem jedes Mal mit.

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