Papa am Samstag

Florizid – oder: Das Unkraut, der Garten und ich

2. September 2017

So – nachdem mein letzter Artikel eine kleine Kontoverse ausgelöst hat, versuche ich heute mal einen unkritischen Artikel zu verfassen (Welcher keinesfalls falsch verstanden werden kann). Es geht heute um den Garten und den Unkrautkampf. Da unser Garten noch relativ neu ist, will er erst einmal geformt und begrünt werden. Leider ist das nicht ganz so einfach wie ich mir anfangs gedacht habe. Hier mein Zwischenbericht in der Gartenarbeit in der ich sämtliche zwei Seiten beleuchte (um Einseitigkeit zu vermeiden).

Erdedankfest

Also – wo fange ich an? Am besten bei der Erdarbeit. Da unser Garten ein leichte Hanglage besitzt mussten wir diese erst einmal angleichen. Dies war notwendig, da unsere Terrassenmöbel immer bei unserem südlichen Nachbarn (südlich, da er unter uns ist – aber vielleicht ist das nur Zufall) über den Zaun gefallen sind. Das Problem haben wir mittlerweile nicht mehr, da wir großzügige Stufen im ersten Jahr angelegt haben.

Ein Problem bildete hier die verwendete Ausgleichsmasse. Die verwendete „Erde“ bestand aus Steinen, welche durch Quotenhumus (nicht der Erbsengatsch, dafür fehlt ein „m“ glaub ich) ergänzt wurden. Diesen ärgerlichen Umstand haben wir nachträglich mit einer feinen (echten) Erdschicht begraben. Einer Rasenpflanzung stand somit nichts mehr im Weg.

Erste Maßnahmen

Die Erdflächen sind nun halbwegs gerade (besser gesagt eben) und es wurde bereits der neue Rasen ausgesät. Dieser wächst auch prächtig. Sein Umfang und der potentieller schlechter Umgang sind jedoch nicht optimal. Ich habe ja prinzipiell nichts gegen Unkraut. Beim Spaziergang in den wilden Wiesen und an Böschungen kann es gerne wuchern, aber in meinem Garten hat das nichts verloren. Also muss dagegen angekämpft werden. Ich habe mich auch bereits bestens ausgerüstet: Handschuhe und kleines Schaufelchen sind bereit.

Das letztendliche Ziel durfte ich bei einem Freund ja bereits bewundern. Durch harte Arbeit und Durchhaltevermögen konnte er einen (für mich zumindest) feinsten englischen Rasen heranzüchten. Ich durfte dieses Meisterwerk auch barfuß betreten. Ein herrliches Gefühl sage ich euch (schreibe eigentlich – aber ihr wisst schon). Ein Gefühl wie auf einer Wolke. Besser gesagt Wolken, da mich eine von diesen Dingern sichern nicht tragen kann. Aber mindestens drei Stück sollten mir gewachsen sein.

Do you speak Englisch?

Warum nennt man einen solchen gepflegten und feinen Rasen eigentlich einen Englischen? Wahrscheinlich weil er aus England kommt? Und was wär dann das ungepflegte Äquivalent dazu? Bei Landesvergleichen zieht man sich schnell und gern ein Ass (Das ist beim Kartenspiel die A-Karte). Denn bei negativer Assoziation (auch deswegen die Ass-Karte) kommt man einfach in Verruf. Und das würde meiner Mission eines flachen Artikels nicht gerecht werden.

Obwohl – aufgrund meiner genetischen Herkunft könnte ich ja ein paar Anführungen machen. Da mein Vater aus dem sonnigen Burgenland kommt und seine Familie bereits seit der Kaiserzeit dort lebte, ist quasi ein ungarischer Teil in mir. Und meinem Großvater ist auch ein kleiner russischer Teil zu verdanken. Über sich selbst, darf man ja schließlich noch lachen (sofern man keiner Randgruppe angehört und ein anderer dann ungewollt mitlachen muss und er dann dadurch selbst in ein falsches Licht gerückt wird). Ich lasse es also lieber und komme zurück auf das ungeliebte Kraut.

Sisyphos im Garten

Den perfekten Rasen als Ziel verbringen wir etliche Stunden im Garten und zupfen und jäten und stechen was das Zeug hält. Nach kurzer Zeit verspürt man Freude, wenn man hört wie mit einem dumpfen „Knack“ die Löwenzahnwurzel im tiefen Erdreich bricht. Stück für Stück wird so eine immer größere Fläche gesäubert. Das Ergebnis kann sich zwar noch nicht sehen lassen, aber die Zone auf die wir uns konzentrieren gibt schon ein bisschen was her. Es wirkt zwar nur im Vergleich zu den vom Umkraut überlaufenen Bereichen gut, aber immerhin etwas.

Aber lange währt der Frieden nicht. Denn kaum ist man dem Wildwuchs Herr geworden schickt sich ein weiterer Strom an aus der Erde zu sprießen. Die muntere Schaufelstecherei beginnt alsbald von Neuem.

Es muss aber nicht alles einheitlich berast sein. Ein wenig Diversifikation ist auch in Ordnung. Hierfür haben wir extra einen Wildwiesenbereich definiert. Hier darf sich niederlassen und wuchern was will. Naja, stimmt nicht ganz. Denn für echte Störenfriede ist auch hier kein Platz. Disteln und Brennnesseln sind auch hier nicht erwünscht und werden entfernt (Was oft nicht ganz einfach ist – denn auch bei geschützten Händen ist diese Arbeit gefährlich). Aber was sein muss, muss sein. Spielende Kinder könnten sich hier ja verletzen und dem muss Vorsorge getroffen werden.

Unser Garten

Wir haben uns heute bereits damit abgefunden, dass wir keinen gleichmäßigen Rasen haben werden. Dafür leben wir zu exponiert. Rundherum sind Felder in denen die ungewünschten Pflanzen leben. Und so werden wir die nächsten Jahre ohne reinem Rasen auskommen müssen. Eine Löwenzahnwiese ist ja schließlich auch was schönes. Und wenn in ein paar Jahren alles rundherum verbaut und angegleicht wurde, wird es vielleicht auch bei uns möglich sein eine einheitlich Wiese zu haben. Es wäre schon schön wenn ich auch in meinem Garten wie auf Wolken gehen kann.

Ich hoffe euch mit meinem Gartenartikel nicht gelangweilt zu haben. Falls auch ihr Vorstellungen vom perfekten Garten habt lasst es mich bitte wissen.

LG,

euer Shrimphansi

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  1. Ha, Fehler! Auch dieser Artikel kann man beleidigend und unter der Gürtellinie auffassen. Alles geht. An den botanischen Pranger mit euch. Es gibt kein UN-Kraut, BEI-Kraut heißt es… OK, ich bau jetzt mal einen Smiley ein 😉

    Ich hab dazu mal einen ganz bitterbösen Brief von einer Eso-Tante bekommen, die hätte mich am liebsten am Europäischen Gerichtshof für Pflanzenrechte angezeigt…

    Witziger Blog hier und ganz angenehm zu lesen, ich komm öfter, ok? Glg Uli

    1. Danke Uli für das nette Kommentar (nett ist hier als freundlich gemeint und nicht das schlechte nett im Sinne „Ja kenn ich, der ist ganz nett!“)!

      Stimmt, ich habe ursprünglich versucht dieses Unwort (verdammt schon wieder) zu vermeiden, aber für vorurteilsfreie Darstellungen ist die deutsche Sprache einfach nicht fähig (Zumindest habe ich die A-Karte anstatt des sch. Peters verwendet).

      Nochmals danke und du bist gerne auf unseren Seiten willkommen.

      Liebe Grüße,
      Robert

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